Montag, 15. Mai 2017

Rezension zu: „Berlin 1936 - 16 Tage im August“

Oliver Hilmes
304 Seiten
Preis: 19,99 € (D)
Erschienen: 2016
Einband: Hardcover, gebunden
Format: 14,4 cm x 2,9 cm x 22,4 cm cm
ISBN-10: 3827500591
ISBN-13: 978-3827500595
Dieses Buch regt zum Nachdenken an. Sicher, wir alle wissen genau, was in der Zeit von 1933 bis 1945 passiert ist und wer hier an der Macht war und wir sind uns sicher alle einige: So etwas darf nie wieder passieren. Und trotzdem gibt es viele Details, die - zumindest mir - nicht ganz so gegenwärtig waren. Klar habe ich von den Olympischen Spielen 1936 gehört - und doch ist einem vielen verborgen geblieben. Obwohl ich selbst schon das olympische Stadion in Berlin besucht habe und tatsächlich eine Art Beklommenheit spüren konnte, so ist es doch noch etwas Anderes, aus einem Buch Details kennenzulernen, die man so nicht kannte.

Das Cover
Das Cover zeigt eine vollkommene Darstellung einer Schwimmerin vor einem klaren und blauen Himmel.

Der Autor
Oliver Hilmes wurde 1971 geboren und studierte Geschichte, Politik und Psychologie in Marburg, Paris und Potsdam. Promoviert hat er in Zeitgeschichte und arbeitete in der Intendanz der Berliner Philharmoniker.
Seine Bücher befassen sich mit Themen, die Zeitgeschichte widerspiegeln. So verfasste er u.a. Bücher über Frauen, die faszinieren und auf ihre Art widersprüchlich sind.
Genauso gerne befasst er sich allerdings auch mit Biografien von großen Männern der Geschichte wie z.B. Ludwig II.

Klappentext
Berlin, Sommer 1936. Die Hauptstadt erstrahlt im neuen Licht und gibt sich liberal - auch gegenüber den so verhassten Juden. Schilder auf denen „Juden verboten“ steht, sind verschwunden. Eine Stadt, die Unbeschwertheit suggerieren will. Sie zeigt sich weltoffen und neutral - zumindest oberflächlich.
Im Hintergrund gehen die grausamen Geschehnisse weiter.
Doch augenscheinlich ist alles gut und Berlin begrüßt die Sportler aus aller Welt - zumindest für 16 Tage im Sommer 1936.
Inhalt
Deutschland befindet sich im Ausnahmezustand und so auch das Regime. Man möchte den Eindruck einer weltoffenen Stadt vermitteln. Die Spiele sollen im Mittelpunkt stehen und dies tun sie auch. Die Straßen Berlins spiegeln diese augenscheinliche Offenheit und Liberalität wieder, die vermittelt werden soll. Nicht nur Schilder, sondern auch die Schmierereien an Hauswänden und Geschäften von jüdischen Mitmenschen sind verschwunden. Kein negativer Schatten soll auf die Spiele fallen, von denen sich Hitler so vieles erhofft. Wie die „Überlegenheit der arischen Rasse“.
Dieser Zahn wird ihm jedoch auf jähe Weise gezogen. Sportler wie Jesse Owens gewinnen Medaillen, die Hitler lieber in Deutschland gesehen hätte.
Deutschland zeigt sich jedoch nicht nur auf dem Olympiagelände liberal, sondern auch auf den Straßen, Bars und Cafés.
So hört man z.B. Jazz und Swing aus den Bars dröhnen und kann die unterschiedlichsten Gesellschaftsgruppen zusammen sehen.
Auch wenn alles friedlich und ruhig erscheint, kann man unterschwellig schon wahrnehmen, was die Zukunft bringen wird. Deutlich erkennbar ist das offenkundige Unbehagen Hitlers, jedes Mal wenn er z.B. farbigen Spielern zum Gewinn applaudieren muss. Offenkundig seine Wut, als der Deutsche Olympionike Erich Borchmeyer verliert.
Oliver Hilmes streift hier die unterschiedlichsten Schicksale von Menschen, für die das Jahr 1936 eine besondere Bedeutung haben.
Auch Menschen, die man in Verbindung mit dem NS-Regime bringt, werden von Oliver Hilmes angeführt. So findet man hier große Namen wie z.B. Leni Riefenstahl, Hitlers bevorzugte Regisseurin, Fotografin und Meisterin der Inszenierung. Aber auch Gustav Gründgens, der große deutsche Schauspieler, der unter dem NS-Regime zum Staatsschauspieler ernannt wurde.

Aufbau
Das Buch ist logisch und nachvollziehbar aufgebaut. Der Autor hat jedem Tag ein Kapitel zugeordnet, in dem ausführlich jeder einzelne Tag, dieser 16 Tage beschrieben wird.

Schreibstil
Mitreisend geschrieben, authentisch und lebendig, als ob man selbst dabei wäre. So liest sich dieses Buch.

Fazit
Ein Buch, das auf der einen Seite beklemmend ist, auf der anderen Seite aber anschaulich zeigt, wie das NS-Regime systematisch einen Schein aufbaut, den es nicht gibt.
Man kommt zum Schluss, dass alles gut inszeniert war. Eigentlich begann hier schon der Anfang vom Ende des NS-Regimes, dass aber bis dahin noch viele dunkle Momente erleben würde.
Oliver Hilmes vermittelt in diesem Buch alle Facetten des NS-Regimes auf anschauliche und authentische Art und Weise.
Rezensionsexemplar
Alle hier verwendeten Bilder und Texte wurden von mir gemacht und unterliegen meinem Copyright! Sie dürfen ohne meine ausdrückliche Einwilligung nicht genutzt werden. Bilder des Verlages unterliegen dessen Copyright und werden von mir separat gekennzeichnet. Sie wurden mit Erlaubnis der Rechteinhaber veröffentlicht. Der oben stehende Text beruht auf meiner persönlichen und ehrlichen Erfahrung mit dem Produkt.
Jeder Mensch empfindet unterschiedlich und deshalb gibt es keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit!

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